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Schreibwerkstatt

 

Die Rubrik "Schreibwerkstatt" (in der Zeitung "Anders erlebt") spiegelt die Erfahrungen, Gedanken und Anliegen unserer VerkäuferInnen und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen wider. Sie bietet Platz für Menschen und Themen, die sonst nur am Rande wahrgenommen werden.

 

 

Verkäuferin Sonja: Vom Rücken der Pferde auf den Hintern meines Hundes

So wie wir alle war ich auch einmal ein kleines, aufgewecktes Mädchen. Auf dem Land bin ich aufgewachsen, mit Hund und Katz – aber meine große Liebe galt den Pferden in der Nachbarschaft. Aber wie es so ist, ändern sich halt die Zeiten und ich wurde älter und wie jeder andere fing ich zu arbeiten an und zog weg von meinen geliebten Pferden. Die Jahre vergingen, da hatte ich eben ein paar Katzen als Ersatz. Eines schönen Tages meinte ein Bekannter: „Wie wär’s mit einem Hund?“ „Ja, ich weiß nicht, ich habe doch Katzen zu Hause.“ „Das ist kein Problem, die Nani ist mit Katzen aufgewachsen.“ Mir hat immer schon noch etwas gefehlt, so habe ich „ja“ gesagt und mir den Hund angeschaut. Oje, was für ein armes Tier, nur ein struppiges Knochengestell. Also habe ich es probiert und es hat auch mit meinen Katzen geklappt, denn außer Gefauche und Katzenbuckel war so weit alles in Ordnung. So konnte ich die Nani behalten.

 

Die Zeit vergeht, inzwischen sind die Katzen gegangen und der Hund ist geblieben. Wir sind immer enger zusammengewachsen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich aus dem ehemaligen Knochengestell eine stattliche, wunderschöne, einfühlsame Schäfermix-Hündin. Ob ihr’s glaubt oder nicht, sie merkt, ob ich gut drauf bin oder nicht, ob ich fröhlich bin oder traurig. Wenn ich gut drauf bin, sage ich zu ihr: „Komm, gehen wir laufen und Fangen spielen!“ Im anderen Fall kommt sie mich trösten und kuschelt sich zu mir. So kommt es, dass wir mitunter schlafen – die Nani mit Kopfkissen und ich auf ihrem Hintern.

 

Von Verkäuferin Sonja