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Firmlinge über Apropos

Apropos wurde und wird gerne von Schulklassen und Firmgruppen besucht. Mittlerweile sind unsere Straßenzeitungsverkäufer Georg und Evelyne Aigner selbständig als Apropos-Botschafter unterwegs – und machen nachhaltigen Eindruck, wie Fotos und Artikel darüber erzählen.

 

 

 

Mit Georg und Evelyne auf der Straße

 

von Firmling Cornelia Siller

 

Bezüglich meiner Firmung, die allerdings schon im Jahr 2013 stattgefunden hatte, ist mir die Möglichkeit geboten worden, mich während meiner Firmvorbereitung an einem sozialen Projekt zu beteiligen und mich zu engagieren. Die Begeisterung an der Kooperation mit der Straßenzeitung „Apropos“ ist von Mal zu Mal gewachsen, ebenso wie das Vertrauen zu unseren Begleitern Evelyne und Georg Aigner. Aufgrund der schätzenswerten und angenehmen Zusammenarbeit mit den beiden möchte ich nun gerne die Gelegenheit nutzen, meinen Dank an sie auszusprechen, da ich die Zeitung nach wie vor regelmäßig kaufe.

 

Nach einem sehr spannenden Firmprojekt, bestehend aus Erzählungen und Gesprächen über Armut und den Weg aus der Verzweiflung, haben wir selbst die Chance nutzen können, in diesem Rahmen uns in die Position eines Verkäufers beziehungsweise einer Verkäuferin zu versetzen und die Zeitung unter die Leute zu bringen. Während den weiteren Begegnungen und Treffen sprechen Evelyne und Georg nicht nur über sich selbst und ihre eigene Geschichte, sondern auch über jene Menschen, die sich nur wenig Gedanken über menschliche Bedürftigkeit machen und sich eigentlich nicht im Klaren sind, wie schwer der Weg zur Besserung und sozial positiven Verwandlung sein kann. Vor allem Georg hat beteuert, dass nicht Geld, sondern vielmehr Beschäftigung hilft, sein Leben zu ändern.

 

Aus diesem Firmprojekt habe ich so viele wertvolle Erfahrungen mitgenommen und bin sehr dankbar, solche gutherzigen und sehr sympathischen Menschen wie Evelyne und Georg kennengelernt zu haben. Besonders bewundernswert finde ich die Tatsache, mit welcher Überzeugung und welchem Enthusiasmus Apropos-VerkäuferInnen diesen Weg nutzen, um ihr eigenes Leben zu verändern und dadurch ihre Zukunft zu gestalten. Ein tolles Projekt mit herzlichen Menschen und allenfalls zu unterstützen, finde ich.

 

 

Armut – Eindrücke, Bilder, Begegnungen

 

Neun Burschen aus Elsbethen, die sich gemeinsam auf die Firmung vorbereiteten, berichten über ihre Begegnung mit unserem Verkäufer-Ehepaar:

 

 

Durch das Sakrament der Firmung wird man zu einem „mündigen Christen“. Was lag also näher, als sich in der Firmvorbereitung mit diesem Begriff auseinander zu setzen? Denn bald würden wir ja solche sein – mündige Christen.
Wir, das sind übrigens neun Burschen aus Elsbethen, die sich gemeinsam auf die Firmung vorbereiteten.

Wir fragten uns also, was es bedeutet, Christ zu sein? Dazu fiel uns Einiges ein: Verantwortung übernehmen, nicht wegschauen, sich schwierigen Situationen stellen, für andere da sein, Menschen nicht oberflächlich aburteilen, etc. Es ließ sich sehr leicht darüber reden, gleichzeitig war es aber auch nicht besonders spannend. Wir wollten nicht nur wissen, sondern sehen und erleben, was unsere Gesellschaft tut, um Menschen zu unterstützen, die es im Leben nicht so leicht haben und wo und wie wir auch unseren Beitrag leisten können.

Daher nahmen wir die Einladung, in der Salzburger Wärmestube mitarbeiten zu dürfen mit großem Interesse an. Wir bereiteten an zwei Vormittagen Frühstück und Mittagessen vor, schnitten Brot und Wurst, schälten Äpfel und Knoblauch, legten Knödel in den Dämpfer, erledigten also alle möglichen Tätigkeiten von Küchenjungen und hatten gleichzeitig die Gelegenheit Eindrücke zu sammeln.

Es arbeiten nur Freiwillige und Ehrenamtliche dort. Das Essen wird gespendet von hilfsbereiten Firmen und privaten Personen. Der Raum wird von der SALK zur Verfügung gestellt.  Die Salzburger Wärmestube bietet Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Hautfarben, Alters und Geschlechts einen Ort der Wärme und Begegnung und vor allem ein warmes Essen. Manche Menschen kamen uns bekannt vor, vielleicht haben wir sie auch schon mal auf der Straße gesehen. Sie unterhielten sich, auch wenn sie nicht dieselbe Sprache sprachen. Wir hatten den Eindruck, dass manche sich schon lange kannten. Aber es gab auch Menschen, die einsam wirkten.

Die Salzburger Wärmestube ist so etwas wie ein Restaurant für arme Leute. Obdachlose und Menschen, die es sich nicht leisten können, jeden Tag etwas Warmes zu essen, bekommen dort gratis zu essen. Es werden an jedem Wochenende täglich bis zu 150 warme Mahlzeiten ausgegeben. Die Salzburger Wärmestube bietet direkte und unbürokratische Unterstützung. Aber es würde noch viel mehr gebraucht, der Andrang ist riesengroß.

Die Arbeit in der Salzburger Wärmestube war sehr ungewohnt für uns, sie forderte uns, gleichzeitig machte sie aber auch Spaß, weil die positive Stimmung dort auf uns abfärbte. Wir gingen mit einem guten Gefühl weg und waren gleichzeitig voller Gedanken. Wie kann es sein, dass so viele Menschen sich das Grundlegende nicht leisten können? Und warum muss es so viel freiwillige und unentgeltliche Arbeit geben, um diese Armut zu bekämpfen? Wo ist hier die Verantwortung unserer christlichen Gesellschaft?

Armut und Obdachlosigkeit waren also die beiden großen Themen, die uns nach unserer Arbeit in der Wärmestube beschäftigten und die eine weitere Auseinandersetzung geradezu forderten. Daraus entstand der Wunsch, mehr über die Straßenzeitung Apropos und die Menschen, die sie verkaufen, wissen zu wollen. Denn wir wussten, dass Menschen, die apropos verkaufen, arm und möglicherweise auch obdachlos sind. So fragten wir uns, was die Straßenzeitung mit Armut zu tun hat und wie die Menschen dazu kommen, sie zu verkaufen. Überhaupt interessierte uns, wie diese Menschen leben, ob sie glücklich oder verzweifelt sind.

Diesem Wunsch, Antworten auf unsere Fragen zu bekommen, kamen Evelyne und Georg Aigner in sehr engagierter Weise nach. Sie besuchten uns im Pfarrhof Elsbethen und erzählten von ihrem Leben. Sie waren so offen und zugänglich, dass wir gar keine Scheu hatten, sie alles Mögliche zu fragen und wir bekamen Antworten. Georg wies mehrmals darauf hin, wie wichtig es ihm ist, mit jungen Menschen zu reden und von seiner Lebensgeschichte zu berichten. Denn seine Geschichte zeigt, wie schnell es gehen kann, dass man aus seinem sozial gesicherten Umfeld rausfällt, und das Zurückfinden ist ziemlich schwer. Hier kommt Apropos ins Spiel, der Verkauf der Straßenzeitung bietet Menschen, die keine Arbeit mehr bekommen, weil sie aufgrund von Krankheit oder Gefängnisstrafen niemand mehr einstellt, ein Einkommen. Denn Apropos fragt nicht, was du vorher in deinem Leben gemacht hast, und schaut nicht drauf, dass du einem gesellschaftlich erwünschten Bild entsprichst. Auf diese Weise bekommen Apropos Verkäufer und Verkäuferinnen die Chance, wieder Fuß zu fassen im Leben.

Aber so einfach, wie es klingen mag, ist das Verkaufen nicht. Abgesehen davon,  dass die Apropos Verkäufer und Verkäuferinnen bei jedem Wetter auf der Straße stehen, ist es genau so, wie es Georg Aigner in einem Satz zusammenfasst: „Wenn du dich mit Apropos auf die Straße stellst, dann gibst du Preis, dass du arm bist.“ In unserer Gesellschaft ist Armut ein Stigma, man trägt sie nicht nach außen und offenbar ist es uns auch lieber, wenn man sie nicht sieht.

 Diese Erfahrung durften wir gemeinsam mit Evelyne und Georg an einem Samstagvormittag machen. Wir waren gut erkenntlich mit Apropos-Verkaufsausweisen ausgestattet worden, jeder bekam ein paar Exemplare der neuesten Ausgabe von Apropos in die Hand gedrückt, und so wanderten wir in Dreiergruppen die Linzergasse auf und ab. Wir hatten mehr und weniger Glück, wurden teilweise sehr freundlich behandelt, dann aber wieder ignorant und abweisend. Sehr überrascht waren wir, als plötzlich die Polizei auftauchte. Jemand hatte uns als bettelnde Kinder bei der Polizei gemeldet. Evelyne und Georg erklärten uns, wie gut es sei, dass die Polizei so genau schaut und bedankten sich bei den beiden Beamten. Bei uns blieb aber komisches Gefühl zurück, denn die Person hätte uns nur genau anschauen, oder noch besser, uns fragen müssen, wir hätten ihr alles erklärt.

Das ist es auch was wir uns für die Menschen, die Apropos verkaufen, die betteln oder die auf der Straße leben wünschen: dass diejenigen, die an ihnen vorübergehen keine vorschnellen Meinungen bilden, sondern überhaupt erst einmal genau hinschauen und sich dann ein Bild machen.

Unseren Blick hat das Treffen mit Evelyne und Georg und die Erfahrungen beim Verkauf von Apropos auch verändert. Wir haben danach noch darüber nachgedacht und einige Gedankensplitter möchten wir hier festhalten:

Thomas:

Evelyne und Georg machten auf mich einen sehr glücklichen Eindruck. Ich finde diese Einstellung unglaublich, denn wenn man bedenkt was die Zwei, vor allem Georg durchgemacht haben, war sicher sehr, sehr schwierig.

Vor dem Verkaufen hatte ich eigentlich keine Bedenken. Das einzige an das ich kurz gedacht habe, war dass mich vielleicht jemand kennt. Beim Verkaufen selbst in der Linzergasse ging es uns ganz gut. Wir haben um die 20 Zeitungen verkauft und einiges an Spenden bekommen.

Falls jemand Apropos nicht kennen sollte würde ich ihm es so erklären: Apropos ist eine Straßenzeitung und hilft Menschen mit sozialen Schwierigkeiten sich selbst zu helfen. Von dem ganzen Geld, das sie vom Verkauf ein nehmen, dürfen sie sich die Hälfte selbst behalten.

 

Alexander K.:

Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, welchen Eindruck ich auf Evelyne und Georg hatte. Ich dachte mir, wie sie es nur geschafft haben wieder ein normales Leben zu führen.

Als Georg uns seine Lebensgeschichte erzählte, dachte ich mir, dass das sicher hart gewesen sein musste. Auf der Straße zu leben, zu wenig zu essen und kein Dach über dem Kopf zu haben.

 

Bevor wir die Zeitung Apropos verkauften, dachte ich mir nur, dass es sehr peinlich sein müsste, vor allem in der Linzergasse. Doch beim Verkaufen wurde es immer besser. Man hat auch gesehen, dass wirklich viele Leute Apropos kaufen. Manche spendeten uns auch einfach so ein bisschen Geld.

 

Paul:

Als ich Evelyne und Georg das erste Mal getroffen habe, wirkten sie etwas furchteinflößend. Doch als ich sie näher kennenlernte und ihre traurige und schockierende Lebensgeschichte hörte war ich sehr beeindruckt, dass die beiden trotzdem so positiv und höflich sein können.

Am nächsten Tag sollten meine Firmgruppe & ich Zeitungen für 2.50€ verteilen. Anfangs hatte ich meine Bedenken ob ich überhaupt Zeitungen verkaufen werde, doch Dieses stellte sich als halbwegs erfolgreich heraus. 

 

Dieses Experiment das ich mit meiner Firmgruppe ausführte, fand ich persönlich interessant. Am meisten eingeprägt hat sich in meine Erinnerung jedoch, dass ein paar Leute die Polizei gerufen haben, da sie Verdacht an Kinderarbeit schöpften. Als diese auftauchte war ich sehr geschockt. 

 

Maximilian:

Ich fand, dass Georg sehr gesprächig war und dass er eine sehr schwierige Vergangenheit hatte. Bei Evelin hatte ich eher den Eindruck, dass sie eine sehr ruhige Person ist, zwar auch mit einer unschönen Vergangenheit, aber nicht so viel wie Georg darüber sprechen möchte. Ihre Lebensgeschichten machen auf mich einen sehr traurigen Eindruck. Das mit dem Gefängnis hat mich sehr schockiert, aber dass Evelin auf Georg so lange gewartet hat, hat mich sehr gerührt.


Vor dem Verkauf hoffte ich, dass ich ein paar Zeitungen verkaufen werde. Während dem Verkauf ist es mir gut gegangen mit meinem Ergebnis war ich auch zufrieden (ca.7 Zeitungen verkauft).
Wenn mich jemand fragen würde was Apropos ist dann würde ich es ihm/ihr so erklären: Apropos ist eine Straßenzeitung die von obdachlosen oder armen Leuten verkauft wird. Diese kaufen die Zeitung beim Verlag für 1,25€ und sie verkaufen die Zeitung dann um das Doppelte. Von dem Geld das sie so verdienen leben sie.


Das Erste, an das ich mich erinnere ist, dass Alexander und ich dem Bio-Burgermeister eine Apropos verkauft haben, das fand ich sehr nett von ihm.

 

Alexander H.:

Auf mich haben Evelyne und Georg eigentlich einen recht normalen Eindruck gemacht. Ihre Lebensgeschichten waren sehr interessant, vor allem was Georg in seinem Leben schon alles erlebt hat.

Die anderen und ich (bzw. unsere 3er Gruppe) sind eher locker an das Verkaufen gegangen, somit ist es uns auch ziemlich leicht gefallen. Für mich ist Apropos eine normale Zeitung ist, die sowohl alltägliche Themen als auch Themen, über die man normalerweise nicht informiert wird, enthält.

Florian F.:

Evelyne und Georg haben einen sehr lebenserfahrenen Eindruck auf mich gemacht da sie vieles erlebt haben und schon viel mitgemacht haben. Georg hatte im Gefängnis gesessen und hatte dabei sicher viel Zeit zum Nachdenken über sein Leben.

 

Ich war gespannt, wie das Verkaufen wird und habe mich sogar etwas darauf gefreut.

Mir persönlich ist es gut ergangen einige hatten welche gekauft andere nicht.

 

Wenn ich daran zurückdenke, dann erinnere ich mich die Erfahrungen, an Dinge wie Ablehnung, aber auch die Zustimmung zu diesem Projekt.

 

 

Wir möchten uns ganz herzlich bedanken
 – bei Edi und seinem Team der Wärmestube, das wir nicht nur unterstützen, sondern dem wir bei seiner Arbeit auch im Weg stehen durften,
–  beim Team von Apropos, damit das Treffen mit Evelyne und Georg zustande kommen konnte,
–  und ganz besonders bei Evelyne und Georg, die uns mit einem besonderen Engagement, einer Offenheit und Selbstverständlichkeit durch das Projekt begleitet haben und die uns ganz viel von sich selbst mitgegeben haben. Wir werden die Zeit mit euch mit Sicherheit nicht vergessen!

 

 

 

Bildunterschrift:
Firmgruppe aus Elsbethen als Apropos-Verkäufer
unter der Anleitung von Evelyne und Georg Aigner