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Wir trauern um Erwin

Verkäufer Erwin mit Schriftsteller Dimitré Dinev im Lese-Duett: Die beiden lasen 2011 im Theater Odeïon Erwins Text, den er für das Apropos-Buch „Denk ich an Heimat“ geschrieben hat.
Verkäufer Erwin mit Schriftsteller Dimitré Dinev im Lese-Duett

Das Ende der Angst

Jetzt ist es so weit.
Erwin ist erloschen.

Das war nicht überraschend, er hat uns die letzten Jahre schon angedeutet, dass sein Körper mehr und mehr abbaut.
Trotzdem war ein immer ein aktiver Mensch:
Hat Vogelhäuser gebaut, Drehorgeln gar, und hat mich im Vertriebsbüro an den Erstausgabetagen unserer Zeitung unterstützt.
Er war auch ein aufmerksamer Zeitgenosse:
Kaum neigte sich der Kaffeevorrat dem Ende zu, stand er schon in der Tür mit einer neuen Ration.

In letzter Zeit plagte ihn die Angst. Er spürte, wie das Feuer in ihm immer schwächer wurde, wie er Tag um Tag an Kraft verlor.

Wir bedauern sein Weggehen.
Aber wir gönnen ihm das Ende der Angst.

Hans Steininger

 

 

Erwin ist gestorben.
Zuletzt sah ich ihn am Treppengeländer vor unserer Stockwerks-Tür lehnen, mühsam Atem holend. Sein schmaler, zerbrechlich wirkender Körper brauchte eine Pause für den Aufstieg zu seinem Pensionszimmer, das er zwei Stöcke über dem Apropos-Büro bewohnte. Und man merkte zunehmend, dass er eine Pause vom Leben brauchte.
Nun ist er nicht mehr da. Dafür eine große Lücke.

Nach außen hin gab er gerne den Grantler, hinter dem sich ein großes Herz verbarg. Erst unlängst erzählte ich einer Gruppe von Bibliothekarinnen von Erwin. Dass er einmal im Radio Salzburg gehört hatte, dass eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern beim Schwarzfahren im Bus erwischt worden war, dass sie sich nicht mal Eintrittskarten für das Haus der Natur leisten könne, dass ihr Gefängnis drohe, weil sie die Verwaltungsstrafe nicht begleichen konnte.
Dass er daraufhin beschlossen hatte, von seinem Tageserlös als Straßenzeitungsverkäufer drei Eintrittskarten für das Haus der Natur zu kaufen.
Dass er daraufhin zum ORF gefahren sei, den zuständigen Journalisten habe holen lassen, ihm die drei Karten und zusätzlich zehn Euro für Kaffee und Kuchen für die Mutter und ihre zwei Kinder gegeben habe.
Und dass ich diese Geschichte nicht von ihm erfahren habe, sondern von einer ORF-Journalistin, die mir davon erzählte.

Das war Erwin. Und wird es immer sein.

Michaela Gründler

 

 

Erwin,
Du fehlst
Erwin, du bist nicht mehr. Du bist so einfach still und leise von uns gegangen ... Du warst für mich ein ganz besonderer Kollege. Du warst zwar ab und zu mürrisch, aber ich habe dich öfter aufgeheitert.
Besonders  gefallen haben mir auch deine  Geschichten: Wie du mir mit Stolz erzählt hast, dass du auf einen Kamel geritten bist.
Auch deine Fähigkeiten zum Basteln habe ich sehr geschätzt. Du hast mit viel Liebe und Gelassenheit gebastelt, Vogelhäuser oder Leierkästen.
Es war für mich ein Tag, der mich sehr traurig gemacht hat, als ich erfahren habe, dass du tot bist.
Ich denke mir auch: Na, der Erwin war mein Jahrgang, 1957. In solchen Momenten wird man daran erinnert, dass das Leben ein Ablaufdatum hat.
Erwin hat auch eine spitzbübische Art gehabt. Ich habe seinen schwarzen Humor sehr gemocht und auch sein Lachen. Einmal hat er mir einfach so vom Restaurant Schmankerl einen Kuchen mitgenommen und gemeint: „Damit du mir nicht vom Fleisch fällst.“
Erwin, du fehlst uns allen, doch sei dir deine himmlische Ruhe gegönnt.
Erwin, du bleibst uns in lieber Erinnerung!
Deine Apropos-Kollegin Luise

 

Bild:
Verkäufer Erwin mit Schriftsteller Dimitré Dinev im Lese-Duett:
Die Beiden lasen 2011 im Theater Odeïon Erwins Text, den er für das Apropos-Buch „Denk ich an Heimat“ geschrieben hat.