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Raue Schale, weicher Kern

Verkäufer Rolf Sprengel war der Typ „Raue Schale, weicher Kern“ und erinnerte in seinem Aussehen an Ernest Hemingway. Der Hut war sein Markenzeichen.

 

War? Erinnerte?


Ja, Verkaufs-Urgestein Rolf gibt es nicht mehr.
Er ist am 2. Oktober im Krankenhaus im Alter von 73 Jahren gestorben. Erst unlängst fragte mich eine Leserin, was denn mit „dem Verkäufer mit dem Hut“ sei, sie hätte ihn schon lange nicht mehr gesehen. Rolf hatte in den letzten Jahren einige Verluste zu verkraften: den seiner beiden Hündinnen Bella und Mädi und nach und nach den seiner Gesundheit. Immer seltener stand er auf seinem Platz in der Linzer Gasse. Als ich mit ihm vor wenigen Wochen telefonierte, klang seine Stimme zwar schwach, aber noch immer schimmerte ein ungebrochener Lebenswille durch.
Bei einer unserer ersten Begegnungen 1999 schilderte er mir anschaulich, wie er aus dem „Häfn“ 20.000 Schilling herausgeschmuggelt habe. Dabei grinste er spitzbübisch. Als er irgendwann nicht mehr „Dirndl“ zu mir sagte, sondern „Chefin“ wusste ich, dass ich seinen vollen Respekt hatte.
Rolf war ein starker Charakter, den nichts so schnell aus der Bahn warf. Er konnte schnell aus der Haut fahren, sich aber ebenso schnell wieder beruhigen. Immer wieder setzte er sich für andere ein und war bei seinen Apropos-Kolleginnen und -Kollegen sehr beliebt. Er legte klassische Musik für Verkäuferin Andrea auf, war mit dem Verkäufer-Ehepaar Georg und Evelyne befreundet und mit Verkäuferin Sonja verband ihn eine besonders innige Freundschaft, fast wie eine Vater-Tocher-Beziehung. Rolf hatte sie im Krankenhaus als Angehörige angegeben, so war sie es auch, die als erste von Rolfs Tod erfuhr. 
Eines seiner Highlights war die Verleihung des Volkskulturpreises 2011 für unser Apropos-Buch „Denk ich an Heimat“. Damals bekam er im SN-Saal Standing Ovations für eine Rede, die er spontan hielt. Vielleicht genoss er damals jene Anerkennung, die er sich für seinen Wunschberuf Architekt gewünscht hätte, den er nicht erlernen durfte. Stattdessen  arbeitete er als gelernter Bauschlosser im Stahl- und Anlagebau in der Schweiz, in Deutschland und England. Das Planen und Bauen lebte er jedoch als Hobby aus, indem er Modelle von Schiffen, U-Booten und
Flugzeugen nachbaute – bis zuletzt.


Lieber Rolf, wir vermissen Dich und wir trauern um Dich. Du wirst uns fehlen. 


Text: Michaela Gründler