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Schreibwerkstatt

 

Die Rubrik "Schreibwerkstatt" (in der Zeitung "Anders erlebt") spiegelt die Erfahrungen, Gedanken und Anliegen unserer VerkäuferInnen und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen wider. Sie bietet Platz für Menschen und Themen, die sonst nur am Rande wahrgenommen werden.

 

 

Das ewige Lied

von Schreibwerkstatt-Autor Georg Aigner

Es heißt, dass man im Leben sehr viel im spielerischen Sinn lernen kann. Aber wenn man so weit kommt, dass man alles, was man besitzt, auf ein Spiel setzt, dann ist irgendetwas gewaltig schiefgelaufen. Ich werde nie vergessen, als ich irgendwann vor einigen Jahren feststellte, dass meine Frau Evelyne ihr Glück mit Glückspielautomaten versucht. Irgendwann, als ich noch im Gefängnis saß, machte sie ab und zu ein Spiel bei solchen Automaten. An sich wäre ja nichts dabei, wenn man das macht, aber für sie hat sich dabei ein Problem entwickelt, sie wurde davon abhängig. Als ich dann von der Haft nachhause kam, wusste ich zwar, dass sie mit Automaten spielt, weil sie mir davon erzählte, aber ich habe das Ganze anfangs total unterschätzt. Ich ging sogar ein paarmal mit ihr mit und versuchte auch mein Glück dabei.

Wir hatten beim ersten Mal sogar richtig Glück und gewannen 400 Euro. Ich war sehr glücklich darüber und wollte eigentlich mit dem Gewinn nach Hause gehen, ich merkte aber, dass es meiner Frau sehr schwerfiel, das Spiel zu unterbrechen. Ich unterschätzte die ganze Tragweite immer noch. Ich erkannte sie erst, als sich ihre Sucht steigerte und sie überhaupt nie Geld hatte. Ich sprach sie darauf an, sie belog mich, irgendwann griff sie sogar auch auf mein Geld zu und verspielte es. Die Gespräche wurden immer heftiger und uferten sehr oft in Streitereien aus. Und immer wieder machte sie mir Vorwürfe, warum ich für sie kein Verständnis habe, immer dieselben Ausreden, einfach ein ewiges Lied, das man irgendwann nicht mehr hören kann. Irgendwann stand gar kein Geld mehr zur Verfügung, daraufhin lieh sie sich von anderen Geld aus, um weiterzuspielen. Von da an verstand ich die volle Tragweite dieser Sucht.

Im Prinzip ist es einfach nur grausam, an jeder Ecke in Salzburg sind solche Automaten zu finden, die meisten sind sogar illegal. Der Betreiber muss eigentlich nur warten, bis die Abhängigen wieder Geld zum Spielen haben, ganz egal woher auch immer. Jemandem das Spielen abzugewöhnen ist eine sehr schwierige Angelegenheit, weil es eigentlich mit einem natürlichen Trieb zu tun hat. Mir ist es zwar gelungen, dass ich die Finanzen im Griff habe, und meine Frau ist heute so weit, dass sie selber zugeben kann, das sie spielsüchtig ist. Trotzdem ist immer noch größte Vorsicht geboten. Spielsüchtig bleibt man ein Leben lang, man kann nur lernen davon Abstand zu halten.