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Schreibwerkstatt

 

Die Rubrik "Schreibwerkstatt" (in der Zeitung "Anders erlebt") spiegelt die Erfahrungen, Gedanken und Anliegen unserer VerkäuferInnen und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen wider. Sie bietet Platz für Menschen und Themen, die sonst nur am Rande wahrgenommen werden.

 

 

Dasein, menschenwürdig

von Schreibwerkstatt-Autorin Hanna S.

Vom 22. bis 24. Mai 2017 fand im Parkhotel Brunnauer eine Fachtagung der BAWO (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe) statt. Diese Gemeinschaft setzt sich für ein menschenwürdiges Wohnen für alle ein.
Die Chefredakteurin vom Apropos, Michaela Gründler, fragte mich, ob ich hingehen will, um zu recherchieren und darüber zu schreiben. Ich war begeistert, nachdem ich das Programm gesehen hatte! Das waren die Themen, die mich bewegten:
AlleinerzieherInnen, Armut, leistbares Wohnen, Mindestsicherung …
Es waren auch einige Leute von verschiedenen Salzburger Institutionen dabei: NEUSTART, AK, Caritas, Soziale Arbeit, Sachwalterschaft, Vinzi Dach, SIR, Frauenhaus …
Zuallererst hörte ich mir einen Vortrag von Klaus Werner-Lobo an, einem österreichischen Journalisten, Buchautor, ehemaligen Politiker (war von 2010 bis 2015 ein Gemeinderats- und Landtagsabgeordneter bei den Grünen), Vortragsredner sowie Clown. Er sprach über die „neoliberalen Tendenzen“ in Österreich und die Forderungen der BAWO, insbesondere die verfassungsrechtlichen, was die Absicherung des Rechts auf Wohnen betrifft. Auch Armutsbekämpfung und soziale Sicherheit, Bekämpfung von Wohnungslosigkeit, nicht integriert geltende Randgruppen waren Punkte seines Vortrags. Die Politik vollzog einen Umbau vom Wohlfahrts- zum Wettbewerbsstaat und die EU setzt den dafür geeigneten Rahmen, immer nach den Bedürfnissen der Wirtschaft ausgerichtet – geprägt von einem starken Demokratiedefizit, da die EU ja keiner demokratischen Kontrolle des Volkes unterliegt. Konzerne haben zu viel Macht und zahlen bei uns kaum oder gar keine Steuern. Logisch, dass das Volk immer ärmer wird. Obwohl ich persönlich der Meinung bin, dass Armut ja auch ein starker Wirtschaftszweig ist.
Durch diesen Vortrag wurden mir wieder einige Zusammenhänge klar, somit profitierte ich davon.

„Mindestgesicherte Frauen & Kinder“


Da ich in meinem Umfeld die täglichen Kämpfe von Alleinerziehenden mitbekomme, war das natürlich genau mein Thema.
Die TeilnehmerInnen kamen aus verschiedenen Bundesländern und arbeiten vorwiegend in sozialen Bereichen. Der Arbeitskreis bot Gelegenheit, sich zum aktuellen Stand in den Bundesländern und über die sich daraus ergebenden Konsequenzen auszutauschen.
Mir wurde bewusst, dass auch SozialarbeiterInnen mit teils unüberwindbaren Hürden zu kämpfen haben, um Menschen in Not zu helfen. Die BMS (Bedarfsorientierte Mindestsicherung) hat im Jahr 2010 die zuvor in den Bundesländern unterschiedlich geregelte Sozialhilfe ersetzt. Damals wurde zwischen Bund und Ländern eine Vereinbarung nach Artikel 15a des Bundes beschlossen, die bundesweit einheitliche Standards in wichtigen Kernbereichen der Sozialhilfe festlegte und von den Ländern weitgehend berücksichtigt wurde.
Der Geltungszeitraum dieser Vereinbarung ist mit dem 31.12.2016 ausgelaufen. Und da sich die Regierung auf keine bundesweit einheitliche BMS einigen konnte, können seit 1.1.2017 die BMS-Gesetze der Länder ohne Berücksichtigung eines gemeinsamen Rahmens gestaltet werden.
NÖ und OÖ haben bereits bei Asylanten und Großfamilien Kürzungen vorgenommen. Man ist derzeit am Überlegen, ob man diese nicht generell kürzt. Derzeit erhalten Alleinstehende 844,46 Euro. Davon fallen 211,11 Euro (25% der Wohnkosten) als Wohnbedarf weg und 633,35 Euro sind für den Lebensunterhalt. Davon wiederum zahlt man Strom, Heizung, Telefon, Internet. Bleiben um die 400 Euro zum Leben. Kommt eine unerwartete Zahlung, ist das eine Katastrophe. Und da will man noch kürzen?
Die Mindestsicherung ist das letzte soziale Netz, um Armut und Obdachlosigkeit zu verhindern!

Kein Geld für neue soziale Ideen?


Ich versuchte auch, auf mein Konzept hinzuweisen, welches ich in den beiden letzten Apropos-Ausgaben angeführt hatte:
naturnahes, günstiges Wohnen mit betreuten Ausbildungsplätzen, die zu wirtschaftlichem Erfolg führen könnten. Dörfer mit Infrastruktur schaffen für Alleinerzieher, Arbeitslose, ältere Menschen …
Aber die Politik zeigt kein Interesse an dieser Idee: Ich habe an Parteien, den Bundespräsidenten und an das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz geschrieben. Die FPÖ schrieb, dass sie nur eine Oppositionspartei ist und daher kein Geld hat.
Das Ministerium für Arbeit und Soziales schrieb in höflicher Form, dass es vieles, zwar ganz anders, aber doch so manches meiner Idee schon gebe, dass es die budgetäre Situation aber nicht erlaube, die von mir dargestellten Projektinhalte in dieser Form umzusetzen.                   
Der Bundespräsident sah gar nicht die Notwendigkeit zu reagieren.
War irgendwie eh klar.
Schau ma, wie’s weitergeht.