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FAQ

Die häufigsten Fragen und Vorurteile

 

Was ist eine Straßenzeitung?
Straßenzeitungen lassen sich als Medium schwer definieren. Sie leben von ihrer Vielfalt  – und genau das macht sie so besonders.
Eine Straßenzeitung ist ein Medium, das Menschen in Not durch den Verkauf auf der Straße Hilfe zur Selbsthilfe bietet und gleichzeitig Themen in die Öffentlichkeit bringt, die abseits des Mainstreams sind und für soziale Anliegen sensibilisieren. Die meisten Straßenzeitungen werden von professionellen JournalistInnen, FotografInnen und LayouterInnen gemacht. Straßenzeitungen haben eine Sprachrohrfunktion und bieten Rubriken, in denen Betroffene selbst zu Wort kommen. Vereinzelt gibt es auch Straßenzeitungen, die zu 100 Prozent von Betroffenen erstellt werden.

Was bietet eine Straßenzeitung?
Sie bietet Hilfe zur Selbsthilfe, weil sie
•    es Menschen in Not ermöglicht, ein Einkommen zu verdienen,
•    durch eine Tagesstrukturierung Stabilität in den Alltag bringt
•    den Selbstwert steigert
•    auf die Situation von Betroffenen aufmerksam macht
•    Menschen ermutigt, sich weiterzuentwickeln

 

Wer verkauft eine Straßenzeitung?
Um es auf den Punkt zu bringen: Menschen in Not. Waren es früher vorwiegend InländerInnen, die durch ihre Biographie arbeitslos, obdachlos, wohnungslos ... geworden sind, suchen seit einigen Jahren verstärkt Flüchtlinge, AsylwerberInnen oder MigrantInnen Straßenzeitungen als Sprungbrett in eine bessere Existenz auf.

 

Wie kommen die VerkäuferInnen an ihr Geld?

Straßenzeitungsverkäufer sind quasi selbständige Unternehmer. Sie kaufen die Ware zuerst ein bevor sie sie weiterverkaufen und erhalten das Geld nicht erst nach getaner Arbeit vom Apropos-Büro ausbezahlt. Die ersten 20 Exemplare gibt’s gratis für jeden und jede, die neu anfängt. Jede weitere Zeitung muss um 1,25 Euro erkauft werden. Dafür zahlt ihnen die Kundschaft 2,50 Euro.

 

Dürfen VerkäuferInnen ein Handy besitzen?

Eine Studentin schrieb uns: Ihre Freunde würden gerne die Zeitung kaufen, tun dies aber nicht weil sie sich denken "Wer ein Handy hat, dem kann es nicht so schlecht gehen."Was wir darüber denken würden.

Wir denken: Jeder hat ein Recht auf Kommunikation – egal, ob er arm oder reich ist.

Unsere Verkäufer denken: "Ich selber ruf selten an. Hauptsache ich bin erreichbar." (Emil). "Ein Handy ist eine Selbstverständlichkeit, da gibt es keine Privilegierten. Ich bin zu 70 Prozent behindert, leide unter Asthma. Warum darf ein Asthmatiker kein Handy haben?" (Hermann) "Ich habe Angst vor Leuten, die einem nachstellen. Ich hab gerne mein Wertkartenhandy bei mir, und wenn ich bedroht werde, kann ich sofort die Polizei rufen. Außerdem kann ich mit meinem Handy jemandem helfen, der in Bedrängnis ist." (Kurt)

 

VerkäuferInnen wollen nicht regulär arbeiten.

Schön wäre es: „Wer arbeiten will, findet Arbeit. In der EU gibt es rund 23 Millionen Arbeitslose. Wenn 23 Millionen Arbeitslose arbeiten wollen, finden sie Arbeit.“ Aber so ist es nicht.

Einige Straßenzeitungen, vor allem in Deutschland, bieten neben dem „normalen“ Verkauf als quasi selbständige/r UnternehmerInnen auch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse an. Da diese Anstellungsverhältnisse aber etwas kosten, gibt es dort Spenden-Patenschaften für einzelne VerkäuferInnen.

 

VerkäuferInnen haben alle ein Alkoholproblem

Im Jahre 2005 gab es in Österreich im Straßenverkehr 57 Tote bei Alkoholunfällen. Da hatten einige ein Alkoholproblem. Die Biografie vieler, die, weltweit, eine Straßenzeitung verkaufen, enthält Ereignisse, die es als nur allzu verständlich erscheinen ließen, hätten sie alle ein Alkoholproblem. Dass dem nicht so ist, beweisen fast alle Verkäuferinnen und Verkäufer von Apropos.

 

Alle VerkäuferInnen sind obdachlos

Einige haben tatsächlich keine fixe Bleibe und leben auf den Stadtbergen, übernachten in der Waggonie oder bei wechselnden Freunden. Die meisten aber wohnen in einem Pensionszimmer oder auch in einer Gemeindewohnung.

 

"Sozial schwach" ist gleich "asozial."

Das ist ein Vorurteil. Es gibt unter den so genannten "sozial Schwachen" genug Beispiele gegenseitiger, uneigennütziger Hilfe, die es widerlegen.

 

Apropos kostet mit 2,50 Euro zu viel

Apropos kostet ca. 8 Cent pro Tag, eine Tageszeitung erheblich mehr.

 

Zeitung wird von Obdachlosen geschrieben

Etwa ein Fünftel der Zeitung wird von nichtprofessionellen Schreiberinnen und Schreibern gefüllt: von VerkäuferInnen, Sozial- oder PensionsempfängerInnen, und auch dem oder der einen oder anderen Obdachlosen (siehe auch "Alle VerkäuferInnen sind obdachlos"). Alle anderen Texte stammen aus der Feder der Redaktion. Wobei zwei fixe Redakteurinnen, aktuelle und (Ex-)PraktikantInnen, sowie freie MitarbeiterInnen Beiträge liefern.

 

AutorInnen bekommen kein Geld.

Pro reiner Textseite zahlt Apropos 42 Euro, pro Foto 7,5 Euro.

 

Sprungbrett für JungjournalistInnen
Straßenzeitungen bezahlen zwar nicht viel, bieten aber gerade JungjournalistInnen die Möglichkeit, sich einen Namen zu erschreiben. Auch geschätzte KollegInnen aus dem Tageszeitungsbereich schreiben gerne für Straßenzeitungen – weil sie dort über Themen in einem Umfang schreiben können, die in ihren Medien keinen Platz finden.

 

Motor für Verlage & Weltmeisterschaften
Straßenzeitungen sind MeisterInnen im Erfindungsreichtum – auch weil sie knappe Ressourcen haben.
Sie bringen Kochbücher, CDs, Kalender, Bücher heraus, produzieren Radio- und  Fernsehsendungen, singen im Chor, gewinnen Obdachlosen-Fußballweltmeisterschaften oder speisen ihre Texte in die eigene internationale soziale Nachrichtenagentur ein, den Street News Service, der auch von so renommierten Medien wie Thomsons Reuters oder dem Inter Press Service unterstützt wird.

 

Apropos berichtet nur über Sozial-Themen.

Natürlich haben wir das Soziale bei unserer Heftplanung immer auch im Auge. Wobei die Betonung auf auch liegt. Gerade in unserem Schwerpunktteil versuchen wir das ausgewählte Thema möglichst umfassend zu beleuchten: von der sozialen Seite, der gesellschaftlichen, der absurden, der amüsanten, und was uns sonst noch so einfällt. Und noch etwas: wir wollen weder in Sozialromantik verfallen, noch Jammergeschichten schreiben, sondern zwar ungeschönt, aber dennoch neutral, und wenn möglich auch konstruktiv, berichten.

 

In der Schreibwerkstatt wird geschrieben.

In unserer Schreibwerkstatt wird vor allem geredet, manchmal auch zugehört. Ernsthaft: Hier werden die Themen für die nächste Ausgabe vergeben und diskutiert, gemeinsam überlegt, welche Gesprächspartner in Frage kommen, Tipps für Interviews gegeben, die Länge des Beitrags und der Abgabetermin fixiert. Die meisten, die in die Schreibwerkstatt kommen, kommen schon lange. Sie haben bereits ihre unverkennbare Handschrift, ihr Lieblingsgenre, und in den meisten Fällen, eine gewisse journalistische oder literarische Professionalität.

 

Apropos wird nur gekauft und nicht gelesen

Es gibt sie zwar immer noch, die Gruppe der Käufer, die peinlich berührt zugibt, Apropos zu kaufen, aber nicht zu lesen, aber sie wird, zu unserer Freude, immer kleiner. LeserInnen-Umfragen, die von der Universität Salzburg für uns durchgeführt wurden, zeigen: diejenigen, die 2,50 Euro in den Kauf der Zeitung investieren, tun das inzwischen fast gleichermaßen, weil sie a.) jedes Monat wieder gespannt auf unser Heft sind und b.) das Projekt und die VerkäuferInnen unterstützen möchten. Für uns erfreulich und ein Ansporn: Wer schon länger nicht mehr (oder noch nie) in die Zeitung hineingeschaut hat, war positiv überrascht von "den vielfältigen und interessanten Themen, die dazu motivieren, die Zeitung (wieder) zu kaufen."

 

Kleidung kann immer abgegeben werden.

Wir haben keine Lagermöglichkeit, daher bitten wir, Kleidung in unsere zweite Vertriebsstelle, den Saftladen NEUSTART (Schallmoser Hauptstraße 38) zu bringen. (Mo, DI, DO, FR, 9.30-17.00; MI 12.00-17.00. Tel.: 0662/650436-501)

 

Apropos und Saftladen sind ein und dasselbe.

Die Straßenzeitung Apropos ist ein Teilprojekt der Sozialen Arbeit GmbH, der Saftladen eines des Vereins Neustart. Wir arbeiten aber seit den Straßenzeitungs-Anfängen zusammen. Auch im Saftladen erhalten die Verkäuferinnen und Verkäufer Apropos. Außerdem findet sich in jeder Ausgabe eine Saftladenseite.

 

Alle Straßenzeitungen sind ähnlich

Auch wenn alle Straßenzeitungen unterschiedliche Blattlinien verfolgen, arbeiten sie nach demselben Prinzip. Die Verkäuferinnen und Verkäufer kaufen die Zeitung zu einem speziellen Preis ein. Meist ist das die Hälfte des Verkaufspreise. Sie vertreiben die Zeitung dann auf der Straße. In Österreich gibt es sechs: Apropos (Salzburg), Augustin (Wien), Eibischzuckerl (Wiener Neustadt), Kupfermuckn (Linz), Megaphon (Graz) und Zwanzger (Innsbruck).

 

Lobbyarbeit

Straßenzeitungen weltweit verstehen sich als Plattform für die Probleme und Bedürfnisse, aber auch die Erfolge, von Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Dieses Anliegen spiegelt sich sowohl in der Themenwahl und den Partizipationsmöglichkeiten der Berichterstattung, als auch in der Vertriebsweise der Zeitungen wieder. Viele Straßenzeitungen haben für ihre VerkäuferInnen außerdem Beratungs- und organisierte Freizeitangebote im Programm.