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Schreibwerkstatt

 

Die Rubrik "Schreibwerkstatt" (in der Zeitung "Anders erlebt") spiegelt die Erfahrungen, Gedanken und Anliegen unserer VerkäuferInnen und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen wider. Sie bietet Platz für Menschen und Themen, die sonst nur am Rande wahrgenommen werden.

 

 

Eines kommt zum anderen

von Schreibwerkstattautor Toni Auer

Donald und Max sind dicke Freunde. Schon in der Schule saßen sie beisammen, danach machten sie eine Mechaniker-Lehre und gingen nach der Arbeit immer in ihre Stammkneipe einen trinken. Als Lehrlinge verdienten sie nicht viel, aber zu trinken konnten sie sich schon immer etwas kaufen. Vier Jahre später hatten sie ausgelernt, Max wurde von der Firma übernommen und Donald musste sich eine neue Arbeitsstelle suchen. Er bewarb sich bei einer Gerüstbaufirma und wurde sofort eingestellt: Der Lohn war super, die Kollegen nett, das war vielleicht eine trinkfeste Kolonne!
So trinkfest, dass der Chef sie nach zwei Jahren auflöste! Nach wie vor traf er sich Wochenende für Wochenende mit seinem Jugendfreund Max. Ihm klagte er bei mehreren Gläsern Bier sein Leid: „Der Alte spinnt, der hat uns alle entlassen, weil wir auf der Baustelle Bier getrunken haben. Ein paar Flaschen halt. Na ja, es waren schon einige Kisten, die da zusammengekommen sind, außerdem hat uns einer beim Chef verpfiffen!“

Max tröstete Donald, so gut er konnte, die Flasche Whiskey war ziemlich schnell leer und am nächsten Wochenende setzen sie ihr Gespräch fort. Dann ist auch Max arbeitslos gewesen, seine Firma hat zugesperrt, Konkurs, kann man nichts machen! So trafen sich die Jugendfreunde wieder täglich, sprachen dem Alkohol immer mehr zu, Max hatte sich ein wenig besser im Griff als Donald, den der Wirt schließlich sogar aus dem Lokal geworfen hat.
„Komm, Kumpel, fahren wir nach Salzburg, dort haben die Kneipen rund um die Uhr offen!“
, rief ihm Donald nach dem Rausschmiss zu. Max ließ sich schließlich überzeugen und wankte Arm in Arm mit Donald die 500 Meter auf dessen Auto zu. So, das wäre geschafft!
Doch Donald brauchte geschlagene fünf Minuten, bis er den Schlüssel ins Schloss stecken konnte. „Komm, lassen wir es doch. Wir sind besoffen. Bleiben wir hier!“ Doch diesen Einwand von Max überhörte Donald geflissentlich. „Na ja, so weit ist es ja auch wieder nicht nach Salzburg, wird schon gut gehen! Ist doch immer gut gegangen!“, brummte Max, während sein Kumpel Schlangenlinien fuhr.

Und es kam, wie es kommen musste.
Donald war so sternhagelvoll, dass er bei der Ampel nicht mehr erkannte, ob es noch Rot oder doch schon Grün war.
„Egal, ich habe sowieso immer Vorrang!“

Das waren seine letzten Worte, bevor der Transporter – der hatte ja wirklich Grün gehabt! – in ihr Auto knallte.
Der Fahrer des Transporters rief die Polizei, Donald schimpfte und blutete im Gesicht, Max blieb ruhig, auch ihm lief das Blut übers Gesicht. Die Polizisten nahmen den Unfall auf, riefen den Abschlepper sowie die Rettung und schritten zum Alkotest: Positiv, na ja, das war ja klar! Donald wurde von den Sanitätern auf der Bahre festgezurrt, er schimpfte grob und laut. Donald war seinen Führerschein los, wann er ihn wieder bekommt, wird der Psychiater entscheiden! Max bekam eine Geldstrafe, da er nicht verhindert hatte, dass sein volltrunkener Freund das Auto fuhr.
Ja, so kann man es auf die Spitze treiben!
Dabei begann es doch so harmlos, damals mit einem Feierabendbier.
Oder war es auch schon damals mehr?