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Zu schade zum Ausrangieren

Sie müssen nicht am Dachboden Staub ansammeln oder im Sperrmüll landen: alte Stühle, Tische und Kästen. Denn mit ein bisschen Geduld und Farbe werden aus ihnen in der Einrichtung Lebensarbeit praktische Unikate.

 

Von Sandra Bernhofer

 

Die Arbeiter, die in der Werkstatt der Einrichtung Lebensarbeit in Salzburg-Maxglan hantieren, sind meist nur eingeschränkt arbeits- und leistungsfähig, seit Jahren vom regulären Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Hinter dem schwierigen Weg zurück stehen in vielen Fällen gesundheitliche und psychische Beeinträchtigungen oder auch mangelhafte Sprachkenntnisse. Bei der Lebensarbeit finden sie zusammen, Möbel und Menschen, die an der Oberfläche nicht perfekt sind, deren Wert man hier aber erkennt und herausarbeitet. 14 Plätze gibt in der Werkstatt, jeweils auf ein Jahr beschränkt, dazu zwei längerfristige für Menschen, die so ihre Pensionsversicherungszeiten auffüllen können. Eines haben die Männer und Frauen gemeinsam: Sie beziehen bedarfsorientierte Mindestsicherung. Den Weg zu Lebensarbeit weisen die Sozialämter. Die Warteliste ist lang. Auf der Werkbank warten Sessel, die schon bessere Zeiten gesehen haben: abgesplittertes Holz, Macken, ein wenig wackelig auf den Beinen. Während die Arbeiter den ausrangierten Möbeln – Fundstücke aus dem Sperrmüll oder Kundenaufträge – neues Leben einhauchen, werden auch sie selbst neu „geformt“: Die Werkstücke so weit herrichten, dass sie gut stehen, abschleifen, lackieren – die meisten derTätigkeiten verlangen keine großartige handwerkliche Ausbildung.

 

Aber darum gehe es auch gar nicht, erklärt Betreuer Harald Schmidjell, selbst gelernter Tischler und seit zwanzig Jahren in der Sozialarbeit tätig. „Unsere Aufgabe hier ist es, durch die Beschäftigung und den kollegialen Kontakt wieder Struktur, Regelmäßigkeit und Sinn in das Leben unserer Klienten zu bringen. In der Beobachtung und in Gesprächen finden wir heraus, wo sie stehen und warum eine reguläre Beschäftigung bisher nicht möglich war.“ Dabei stehen den Männern und Frauen außer Schmidjell zwei weitere Betreuer in der Werkstatt und zwei Sozialarbeiter zur Seite, die die Mindestsicherungsbezieher individuell auf deren Möglichkeiten, Fähigkeiten und Bedürfnisse zugeschnitten beraten. Auch die Arbeitszeiten sind flexibel, von 20 bis zu 30 Stunden. „Wer dieses Maximum schafft, hat gute Chancen, am freien Arbeitsmarkt zu bestehen.“ Gefördert wird die Einrichtung vom Land Salzburg. Schmidjell ist froh, dass das Bewusstsein dafür da ist, dass es Einrichtungen wie die Lebensarbeit, betrieben von der Sozialen Arbeit gGmbH, dringend braucht: „Die Mindestsicherung ist das letzte Netz, in dem Menschen aufgefangen werden. Jeden Monat aufs Sozialamt, das wenige Geld abholen, nicht gebraucht werden – das zehrt. Viele schämen sich, isolieren sich. Das macht krank, physisch und psychisch. So gut wie alle, die bei uns sind, wollen aus dieser Situation herauskommen.“

 

„Über die Jahre – seit 2005 – haben wir viel ausprobiert“, erinnert er sich. „Wir nutzen natürlich auch die Fähigkeiten, die unsere Klienten mitbringen. Vor einigen Jahren hatten wir eine Afrikanerin da, die sehr gut genäht hat und aus Stoffresten entzückende Kinderpyjamas gemacht hat.“ Wie vielfältig die Ideen sind, die meist beim Tun entstehen, zeigt ein Blick in den Schauraum oder auf die „willhaben“-Seite der Lebensarbeit: Aus Brückenbohlen sind Kerzenhalter entstanden, aus einem Kasten eine Sitzgarderobe, frische Farben machen Schreibtische und Stühle zum Hingucker, genauso wie ein paar Kleiderhaken, die zusätzlich mit Lavendelsackerln ausgestattet worden sind. Ein schöner Nebeneffekt, wenn ein fertiges Möbelstück abgeholt wird: „Man sieht, wie sich die Arbeiter über Lob freuen.“