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Hervorgehoben II

Im Namen der Ehre

Heldenhaft gleichberechtigt

„Heroes“ ist ein Projekt, bei dem sich junge Männer mit Migrationsgeschichte für die Gleichberechtigung einsetzen. Fast ein Jahr lang werden sie ausgebildet – um ihr Wissen später an ihre Peers weiterzugeben. Nach Erfolgen in Deutschland startet das Projekt zum ersten Mal in Salzburg.

Von Christine Gnahn



"Ich hab dich fünf Mal angerufen, wo warst du, he?“, ruft er, dominierender und bedrohlicher Tonfall. „Nein, da war kein Anruf, ehrlich“, beteuert der andere, eingeschüchtert und demütig – dann wird ihm sein Handy entrissen:
„Ha, fünf Anrufe in Abwesenheit!“ Ohrfeige, „Geh auf dein Zimmer!“

Eine Schulklasse sieht den zwei Männern beim Rollenspiel zu, bei dem einer den Vater und der andere die Tochter einer Familie mit Migrationshintergrund mimt. Fragen tauchen auf: Darf man so Mädchen und Frauen behandeln? Wo endet Erziehung und wo beginnt die Unterdrückung? „Die Rollenspiele sollen bewusst zum Nachdenken anregen, ohne einen Vortrag mit erhobenem Zeigefinger zu halten“, erklärt Bianca Schartner. Die 31-Jährige leitet gemeinsam mit Manuela Pleninger das Projekt  „Heroes. Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“, das akzente Salzburg im Auftrag des Landes und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres heuer das erste Mal in Salzburg durchführt.

Die Idee hinter „Heroes“, das bereits in Deutschland verwirklicht wurde, ist so einfach wie effektiv: Junge Männer mit Migrationshintergrund kommen einmal die Woche zusammen, unternehmen Dinge und „hängen miteinander ab“. Dabei bleiben sie jedoch nicht alleine, sondern werden von zwei Gruppenleitern betreut – ihrerseits immer männlich, jung und ebenfalls mit Migrationshintergrund. Gemeinsam sprechen die Gruppenleiter mit den jungen Männern über Themen, die für viele tief in der Kultur der eigenen Familie verankert sind: Ehre, Identität und Geschlechterrollen. Nach und nach werden Rollenspiele erarbeitet, in denen die jungen Männer gezielt jene Alltagssituationen nachspielen, in denen Frauen unterdrückt werden und die sie selbst in ihrem Kulturkreis erlebt haben. „Allein schon, wenn ein Mann in die Rolle der Frau schlüpfen muss, die unterdrückt wird, verändert sich seine Perspektive“, so Schartner. Die regelmäßigen Treffen laufen im Namen einer Ausbildung – und zwar zum „Hero“.
Mit dem Heroes-Zertifikat sollen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dazu befähigt werden, Werte der Gleichberechtigung und des gewaltfreien Zusammenlebens von Männern und Frauen an Schulen, Jugendzentren und Ausbildungsstätten weiterzugeben. In Workshops arbeiten Heroes-Beauftragte mit gleichaltrigen Mädchen und Jungen an Themen wie Gleichberechtigung, Gewalt und Vorurteile – und damit Stück für Stück in Richtung eines für manche neuen Rollenverständnisses von Mann und Frau.

Can Simsek (38) und Mario Téllez Girón Carmona (30) heißen die Gruppenleiter der Heroes-Schulung in Salzburg. Während Simsek in der Türkei groß wurde, wuchs Téllez Girón Carmona in Lateinamerika täglich mit den Gebärden des Machismus auf. „Mein Vater war da aber zum Glück anders“, sagt der Mexikaner: „Meine Eltern arbeiten beide und meine Mutter macht sich für Frauenrechte stark. Das ist dort noch etwas Besonderes.“ Im Bewerbungsverfahren um die Posten als Gruppenleiter setzten sich Simsek und Téllez Girón Carmona durch ihre Berufserfahrung durch: So arbeitete Simsek bereits als Integrationsbeauftragter in Pinzgauer Gemeinden, Téllez Girón Carmona im mexikanischen Jugendgefängnis. Mit den Ängsten und Herausforderungen junger Männer in patriarchalischen Kulturen und der Unterdrückung von Frauen sind beide bestens vertraut – und setzen sich nun dafür ein, jungen Menschen mit Migrationshintergrund eine gleichberechtigte Alternative zu zeigen.