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Was bringt uns die Zukunft

Morgens steht man auf, schlüpft in den Bademantel. Der Bademantel wird durch spezielle Sensoren sofort warm. Die Kaffeemaschine fragt mit freundlicher Stimme, wie man sich den Kaffee denn heute wünsche, und lässt das gewünschte Produkt heraus. Wie wird die Welt wohl aussehen, wenn 20 Jahre in sie gezogen sind?

 

Von Christine Gnahn


„Eines muss man bei Zukunftsprognosen immer klar bedenken“, erklärt Stefan Wally von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, „was immer wir über die Zukunft sagen, ist nicht wahr.“
Zwar sei es durchaus möglich, begründete Vermutungen anzustellen und dabei Szenarien zu zeichnen, „aber alles, was man über die Zukunft sagt, verändert diese.“
Wer versucht, die Zukunft zu prognostizieren, und darauf folgend eine Entscheidung fällt, modifiziert die Zukunft ja bereits. Nichts anderes passiert beim Einsatz von Windrädern und Solarenergie, die man vermehrt verwendet, seitdem man weiß, dass fossile Brennstoffe den Klimawandel verstärken. Entsprechend sei es notwendig, über die Zukunft nachzudenken und im Falle des Falls Konsequenzen zu ziehen, sagt Wally.

So reflektiert man die Zukunft der kommenden 20 Jahre: Was wird, beispielsweise in Salzburg, anders sein?
„Salzburg wird bunter“, erklärt Wally, „nicht nur hinsichtlich einer kulturellen und religiösen Vielfalt, sondern auch in puncto zunehmend internationalisierter Wirtschaft. Wer von einem homogenen Salzburg träumt, hat die Stoßrichtung der großen Entwicklungspfade noch nicht erfasst.“
Die ökonomischen Unterschiede in Salzburg werden sich wohl verschärfen, so Wally, „die ungleiche Vermögensverteilung wird weiterhin zu hohen Wohnkosten führen.“
Politisch sei die Machtstellung von einer geringen Anzahl an dominanten Parteien in 20 Jahren womöglich Vergangenheit. „Es werden sich wohl mehr Parteien bilden, die ihrerseits für eine heterogenere Politik sorgen werden.“
Eine mitteleuropäische Perspektive nimmt der Salzburger Zukunftsforscher Reinhold Popp ein: „Aussagen über die Entwicklungen des gesamten Planeten zu treffen, ist schwierig, da die gesellschaftliche Dynamik auf jedem Kontinent eine andere ist.“ Die Veränderungen innerhalb von 20 Jahren seien jedoch nicht als drastisch zu erwarten. „Betrachtet man den Verlauf der Geschichte, so sieht man, dass sich die meisten Aspekte des Lebens nur sehr, sehr langsam wandeln.“ Einige Veränderungen zeichneten sich aber doch ab. Für die Politik beispielsweise prognostiziert Popp eine Abkehr vom Neoliberalismus. „Wir haben jetzt bereits ein sehr gut ausgebautes Sozialsystem, inklusive Versicherungen, Steuern und zahlreicher Fördermöglichkeiten.“ Diese Sozialausrichtung des Staates sieht Popp trotz der Prognosen anderer, die auf einen Hyperkapitalismus und das Reicher-Werden der bereits Reichen abzielen, auf einem aufsteigenden Ast.
„Ich bin überzeugt davon, dass sich in einem Land wie Österreich auf Dauer keine politischen Entscheidungen mehr durchsetzen werden, die zum Nachteil eines Großteils der Bevölkerung ausfallen würden.“

Der mündige Bürger – der sei nicht nur jetzt zeitgemäß, sondern werde es auch in 20 Jahren zunehmend sein.

Die neue Ära der Machbarkeitslogik

Den Begriff der Digitalisierung, der sich mittlerweile in aller Munde befindet, betrachtet Popp eher als einen aktuellen Hype. „Das wesentliche Phänomen, bei dem man wirklich von einem Wandel sprechen kann, ist nicht die Digitalisierung, sondern die Technisierung. Seit Beginn der Neuzeit hat man sich von der mittelalterlichen Denkweise zunehmend verabschiedet – an ihre Stelle sind technische Erfindungen getreten.“
Damit habe eine neue Ära mit einer mentalen Veränderung begonnen, die Popp die „Machbarkeitslogik“ nennt. „Ab da hieß es nicht mehr: ‚Gott gestaltet die Welt‘, sondern: ‚Der Mensch gestaltet sie‘.“ Die Vorstellung eines modernen Zeitalters – ein Zeitalter, in dem auch das Thema Religion eine andere Rolle als früher spielt. Auch in einer aufgeklärten Gesellschaft sei das Thema der Religion eines, das in 20 Jahren nicht obsolet werde, beschreibt Popp. Es werde aber – so wie viele andere Lebensbereiche auch – wesentlich individualistischer. „Es könnten sich regelrechte Mischungen ergeben. Ein wenig Esoterik hier, ein bisschen Buddhismus dort und auch Teile von Christentum und Hinduismus – das Zusammenbasteln ganz nach den eigenen individuellen Bedürfnissen ist ganz typisch für die moderne Gesellschaft.“ Das sei mit der steigenden Liberalität der politischen Systeme verbunden.

Das Thema Individualität werde auch in der Familiengründung eine große Rolle spielen. Bereits jetzt zeichnen sich Patchwork-Familien ab, Modelle fernab des früheren Modells einer „Frau am Herd“ sowie gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Das bestätigt auch Popp – und geht von einer weiterhin wachsenden Scheidungsund Trennungsrate aus. „Früher gab man sich das Ja-Wort und sprach dabei von ‚bis dass der Tod uns scheidet‘. Damals jedoch schied dieser ja viel früher, als das heute der Fall ist.“ Die höhere Lebenserwartung gepaart mit den Ansprüchen einer individualistisch geprägten Person führe mitunter dazu, im Leben mehr als nur einen Partner, eine Partnerin zu haben. „Wenn man 100 Jahre auf der Welt ist, macht man durchaus seine Entwicklungen und Veränderungen durch – da ist die Frage, ob man so lange beieinanderbleiben kann und möchte.“ Um das lange Leben entsprechend genießen zu können, spielt natürlich auch die Umwelt eine wichtige Rolle. Für diese lässt sich allerdings prognostizieren, dass der Klimawandel ein anhaltendes, sich steigerndes Problem darstellen wird. Solange in Agenden wie der Energieversorgung, die Vermeidung von Müll und der allgemeinen Überproduktion keine wesentlichen Verbesserungen stattfinden, werden klimatische Veränderungen nicht aufzuhalten sein.

Letzte Frage: Wie intelligent werden Roboter in 20 Jahren sein?
„Wenn man von künstlicher Intelligenz spricht, macht man häufig den Fehler, den Begriff ‚Intelligenz‘ nicht zu definieren. Dass, was sich im Kopf des Menschen abspielt, ist immer auch mit seinem Körper und seinen Emotionen verbunden.
“ Diese Form der Intelligenz sei menschlich – und vom Menschen dringend benötigt. „Es gibt bereits Versuche, menschliche Posten durch Maschinen zu ersetzen. Doch überall da, wo es um direkten Kontakt geht, stellt sich heraus: Der Mensch möchte doch lieber mit einem Menschen zu tun haben.“
Die Nähe, die sich zwischenmenschlich erleben lasse, das Vertrauen und das Gefühl, verstanden zu werden – das lasse sich nicht durch einem Roboter ersetzen. Zumindest nicht in 20 Jahren.