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Hervorgehoben II

Wenn zwei sich streiten und beide gewinnen

Viele Streitigkeiten werden nicht gelöst oder enden vor Gericht. Das muss nicht sein. Eine Mediation bietet Streitparteien die Möglichkeit, gemeinsam eine Lösung zu suchen. Ob bei Arbeitsplatzkonflikten oder in der Beziehung – die Erfolgswahrscheinlichkeit ist hoch.

Von Eva Daspelgruber

Sabine und Robert sind sich nur in einem Punkt einig: Sie wollen das Beste für Florian, ihren vierjährigen Sohn. Seit zwei Jahren leben sie nun getrennt. Wenn sie miteinander reden, dann nur, um dem jeweils anderen seine Unzulänglichkeiten vorzuwerfen. Ein freundliches Wort hört das Kind seine Eltern nur selten wechseln. Heute passt Oma auf Florian auf, denn die beiden haben einen gemeinsamen Termin. Sabines Freundin hatte ihr erzählt, dass sie mit ihrem Ex-Mann eine Mediation gemacht hat und sie gemeinsam eine Lösung gefunden haben, wie sie nach der Trennung zum Wohle ihrer Kinder am besten miteinander umgehen. Daraufhin hat Sabine ihrem Ex-Freund vorgeschlagen, eine Mediation zu besuchen, und er hat eingewilligt. Schließlich ist auch für ihn die momentane Situation mit all dem Streit unerträglich geworden und er macht sich Sorgen um seinen Sohn. Beide haben kurz telefonisch mit der Mediatorin gesprochen, die sie nun an der Tür empfängt – begleitet von ihrem Kollegen.

Robert hat nur wenig Ahnung davon, was Mediation genau bedeutet, und lauscht den Ausführungen der beiden Mediatoren. Sie erklären, dass es sich um eine Konfliktlösung handelt, bei der die Beteiligten Gelegenheit haben, ihre Sicht der Dinge darzustellen und ihre Bedürfnisse und Wünsche zu äußern. Das Verfahren basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit, was bedeutet, dass jeder die Mediation jederzeit beenden kann. Die Lösung für den Konflikt kommt von den Beteiligten und nicht – wie beispielsweise vor Gericht – von außen. Durch die Verschwiegenheitspflicht der Mediatoren können sich Sabine und Robert sicher fühlen, dass das hier Gesagte auch hier bleibt – sofern sie sich auch selbst dazu verpflichten.

Nach diesen anfänglichen Erklärungen werden Sabine und Robert darum gebeten zu erzählen, warum sie heute hier sind. Sabine beginnt mit Vorwürfen über Roberts Unzuverlässigkeit, dass er immer zu spät komme und Termine kurzfristig absage. Das bringt Robert in Rage und die beiden sind kurz davor, in ihr gewohntes Streitmuster zu verfallen. Hier greifen die Mediatoren ein und bitten Robert, Sabine ihre Sicht der Dinge erzählen zu lassen, und Sabine, ihre Wortwahl zu überdenken. Danach bekommt auch Robert Gelegenheit, den Konflikt aus seiner Perspektive zu schildern.

In der Folge sammeln die Mediatoren gemeinsam mit ihren Klienten die zu besprechenden Themen. Sabine ist wichtig, dass Robert zuverlässig ist, und Robert möchte nicht, dass seine Ex-Freundin mit Florian schlecht über ihn spricht. Die Mediatoren notieren alle wichtigen Punkte auf einer Flipchart, auf der ganz oben der Name des gemeinsamen Kindes steht, um dessen zukünftiges Wohl es hier gehen soll.

Sabine und Robert fühlen sich gut aufgehoben. Robert freut es, dass Sabine gebremst wird, wenn es verbal mit ihr durchgeht, und Sabine fühlt, dass ihr heute zum ersten Mal richtig zugehört wird. Es wird ihr auch klar, wie sehr Robert verletzt ist, und sie sieht ihn in einem anderen Licht. Durch die Anwesenheit des Mediatorenteams entsteht zwischen ihnen eine neue Gesprächsbasis, wie sie schon seit der Trennung nicht mehr vorhanden war. Genau das erhöht die Chance auf eine gute Lösung. Die Mediatoren besprechen mit den beiden nun den ersten Punkt, der für sie am dringlichsten ist – in diesem Fall die Besuchszeiten des Vaters, da Florian bei seiner Mutter lebt. Viele Emotionen und Verletzungen aus der Vergangenheit kommen zum Vorschein und werden bearbeitet. Nach rund eineinhalb Stunden beschließen die beiden, in einer Woche erneut zu kommen und weitere Sitzungen zu besuchen, bis alles geklärt ist.
Vier Termine später haben Sabine und Robert eine gemeinsame Vereinbarung getroffen, die vom Mediatorenteam verschriftlicht wird. Darüber hinaus wollen sie sich nach drei Monaten erneut in diesem Rahmen treffen, um zu sehen, ob ihre Abmachung gehalten hat oder ob sie Änderungen braucht.