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Hervorgehoben II

Die Spielekenner

Trotz praktischem Online-Versand und vermeintlich billigen Angeboten von Spielzeugdiskontern ist die Spielzeugschachtel in der Schrannengasse bis heute eine Institution. 
Ein Besuch versetzt ins Staunen und Schwelgen in Erinnerungen.

Ja, es ist immer noch genauso wie damals: eine große Türe für die Erwachsenen, eine kleine für die Kinder.
Ein kleiner Unterschied: Heute nehme ich den Eingang für Erwachsene und meine Tochter den Kindereingang. Der fantasievoll gestaltete Eingangsbereich lässt schon vermuten, welche Wunderwelt sich im Haus Schrannengasse 16 verbirgt. Drinnen erwartet mich ein Faszinosum an Puppen, Bauklötzen und Brettspielen aller Art. Die Spielzeugkiste sieht noch ziemlich genau so aus wie vor rund zwanzig Jahren, als ich mit meiner Tante regelmäßig zu Besuch kam. Aber war das Geschäft damals nicht größer? „Diese Frage stellen mir sehr viele Kunden, wenn sie die Spielzeugschachtel noch aus Kindheitstagen kennen“, erzählt Adele Liedl. „Dabei kann ich versichern: Alles ist noch genau so wie damals. Alle Renovierungsversuche wurden von Kunden sofort abgeblockt.“
Gerade deshalb ist die Atmosphäre so besonders: Die Kuschelgrube neben der Kasse, die zahlreichen Ecken und Winkel, das großzügige Spielhaus, einfach wunderbar. Adele Liedl und die Spielzeugschachtel, das gehört einfach zusammen. Viele Kunden wurden bereits als Kinder von ihr bei der Qual der Wahl zum liebsten Spiel unterstützt.

Im Jahr 1985 hat sie als Verkäuferin in der Spielzeugschachtel begonnen. Das Spielen zählte seit jeher zu den Lieblingsbeschäftigungen der Salzburgerin: „Ich bin mit Spielen aufgewachsen und sehe darin eine wunderbare Art der Kommunikation. Spielen verbindet über die Kulturen hinweg.“ Adele Liedl erzählt von ihren zahlreichen Reisen, erzählt von Schach in Kuba und Backgammon in Ägypten. Im Jahr 1994 hat Adele Liedl die Spielzeugschachtel gemeinsam mit ihrem Mann Harald Brandner übernommen. Bis heute ist das Geschäft trotz Billigprodukten und Internethandel eine Institution.
„Wir können mit gutem Gewissen sagen, dass wir die Spielexperten in Salzburg sind“, freut sich Mathias Wartbichler. Nach seinem Lehrabschluss vor rund zehn Jahren ist er heute der kaufmännische Leiter. In der Spielzeugschachtel gibt es um die 10.000 Artikel. Mathias Wartbichler kennt beinahe alle. „Jedes Jahr kommen 3.000 neue Spiele auf den Markt. Da muss man gut überlegen, welches wir noch in unser Sortiment aufnehmen.“ Er kennt jedes Brettspiel und jedes Kartenspiel, im Geschäft gibt es auch die Möglichkeit, die Spiele gleich auszuprobieren. Neben den unerreichten Klassikern wie Uno, Mensch ärgere dich nicht und Puppenküchen gibt es immer wieder neue Spieleentdeckungen.
Der Fingerspinner wurde in diesem Jahr zum Internet-Hit, in der Spielzeugschachtel gibt es ihn bereits seit sieben Jahren. „Wir haben ihn damals auf Bitte eines Therapeuten in unser Sortiment aufgenommen“, erinnert sich Adele Liedl zurück. In den vergangenen Wochen war das Konzentrationsspiel mehrmals ausverkauft.
„Wie bei allen Produkten achten wir auch bei den Fingerspinnern auf gute Qualität – das spricht sich schnell herum.“


„Ich weiß nicht, was ich meinem zweiährigen Enkel schenken soll“, wendet sich eine Frau an Mathias Wartbichler. Zwischen Holztieren, Lernspielen und Teddybären finden die beiden gemeinsam das Richtige. Für die Beratung nimmt sich Wartbichler Zeit. Er fragt nach, was die Kinder gerne spielen und wer mitspielen kann. In der Spielzeugschachtel wird viel Wert auf altersgerechtes Spielzeug gelegt: „Manche Eltern beteuern, dass ihr Fünfjähriger schon so geschickt ist, dass er Spielzeug für Schulkinder möchte. Ich erkläre dann, dass viele Kinder trotz ihrer weiten Entwicklung mit Spielen überfordert sein können.“ Wenn ein Spiel dann frustriert, liegt es bald in der Ecke und wird „auch später, wenn die Kinder alt genug sind, nicht mehr angeschaut“.
Meine Tochter Sarah (12) hat sich von Mathias Wartbichler ein neues Spiel zeigen lassen. Ein Kartenspiel, bei dem es um schnelles Kopfrechnen geht. „Da ist auch die Mama gefordert“, denke ich mir und freue mich schon auf den gemeinsamen Spieleabend.

 


von Magdalena Lublasser-Fazal