Wechseln zu: Inhalt
Wechseln zu: Suche
Sie befinden sich hier: Home Projekte Projekt 1
start -->

Ein Firmament voller möglicher Welten

Ein Blick in den Nachthimmel ist nicht nur ein Blick zurück in die Vergangenheit des Universums, sondern auch ein Blick in eine mögliche Zukunft der Erde. Wie diese aussehen kann, erforscht unter anderem die Salzburger Astrophysikerin Lisa Kaltenegger.

von Sandra Bernhofer

Als wir Kinder waren, lagen wir in lauen Sommernächten auf dem warmen Boden, mit einem Eis in der Hand, haben zum Himmel geschaut und uns für einen Moment in einer anderen Welt gefühlt. Oder wir standen zu Silvester im Freien und sahen, wenn sich der Rauch der Feuerwerke gelegt hatte, staunend die Sterne, so viele wie sonst nie. Der Sternenhimmel übt Faszination aus – eine Faszination, die sich bei vielen verliert, wenn sie älter werden und den Blick für die kleinen Dinge verlieren. Dann ist der Sternenhimmel etwas für rührselige Romantiker.
Eine der wenigen, die sich diese Faszination erhalten hat, ist Lisa Kaltenegger. Die Astronomin und Astrophysikerin aus dem Salzburger Land beschäftigt sich mit der Suche nach Leben in den Weiten des Universums. Sie erforscht Exoplaneten, Exomonde und Supererden.
Und die Salzburgerin will noch mehr:
Sie forscht nicht nur, ihre Forschung soll auch verstanden werden.
Nach Zwischenstationen am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg und in Harvard lehrt sie an der New Yorker Cornell University und hält zahlreiche Vorträge.

„Wir waren immer schon Entdecker und Abenteurer, haben uns auf Schiffe begeben, um andere Welten zu entdecken“, sagt sie. „Heute fehlen uns die entsprechenden Schiffe, wir wissen nicht, wie wir die heute unbekannten Welten erreichen können.“ Weiter als bis zum Mond ist der Mensch bisher nicht gekommen. Unbemannte Raumsonden haben zwar immerhin schon den Rand unseres Sonnensystems erreicht – wie die beiden „Voyager“-Sonden, die nach gut 35 Jahren Reisezeit unser Planetensystem verlassen haben – mit einer Botschaft des damaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim als „österreichischem“ Beitrag auf dem Golden Record, einer Datenplatte mit Botschaften, die in der Hoffnung mitgeschickt wurden, außerirdische Lebensformen könnten dadurch von der Menschheit und ihrer Position im Universum erfahren. Aber der Traum, ein Raumschiff zu einem anderen Stern zu schicken und Welten in einem anderen Sonnensystem zu erkunden – dieser Traum blieb bisher genau das: ein Traum, der nur in Science-Fiction-Filmen und -Serien verwirklicht wurde. „Momentan sind solche Flüge in einem überschaubaren Zeitraum unmöglich. Die Distanzen im Universum sind riesig“, erklärt Astrophysikerin Kaltenegger. „Wenn man sich die Erde in der Größe eines Kekses vorstellt, ist der nächste Stern, Proxima Centauri, zwei Fußballfelder weit entfernt.“ Die Voyager-Raumsonden würden Tausende von Jahren benötigen, um dieses benachbarte Sternsystem zu erreichen.

Die Frage, ob es erdähnliche Planeten im Universum gibt oder Lebensformen, die unserer Spezies ähneln, beschäftigt die Menschheit seit Langem. Die ersten Planeten, die außerhalb unseres Sonnensystems um einen Stern kreisen, wurden 1992 nachgewiesen; inzwischen sind Tausende dieser sogenannten Exoplaneten in unserer Galaxie bekannt. Vor fünf Jahren war Lisa Kaltenegger entscheidend an der Entdeckung der ersten beiden Exoplaneten beteiligt, die aus Gestein sind und zudem in einer bewohnbaren Zone liegen –  und damit unserer Erde mehr oder weniger ähnlich sein könnten. „Das heißt nicht, dass es dort grüne Pflanzen geben muss oder dass diese Himmelkörper zu 70 Prozent mit Wasser bedeckt sind. Aber sie sind klein genug, um aus Fels zu sein, und im richtigen Abstand zu ihrer Sonne, um weder zu kalt noch zu heiß für flüssige Wasservorkommen zu sein. Somit ist auch biologisches Leben möglich, wie wir es auf der Erde kennen.“ Wie viele dieser Planeten es tatsächlich gibt, ist nach wie vor schwierig zu sagen, weil Planeten, die so klein sind wie die Erde, auch mit den heutigen Teleskopen schwierig aufzuspüren sind.
„Es dürfte allein in unserer Galaxie an die 200 Billiarden Sterne geben. Und rund jeder fünfte Stern hat Planeten im richtigen Abstand. Darum ist es nicht ausgeschlossen, dass es eine zweite Erde gibt“, sagt Kaltenegger.

Von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht zu erforschen, ob wir alleine im Universum sind oder nicht, ist der „Lichtfingerabdruck“ eines Planeten:  Im Frühjahr 2021 soll der Nachfolger von Hubble, das James Webb Space Telescope, ins All starten, und für 2024 ist die Inbetriebnahme des European Extremely Large Telescope in Chile geplant. „So können wir wie bei einer Spektralanalyse die Intensität der einzelnen Farben messen. Das Fehlen von Farben gibt Aufschluss über die mögliche Beschaffenheit der Atmosphäre eines Planeten, auch wenn er Lichtjahre entfernt ist.“ Damit wird es zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte möglich, einen Blick in eine mögliche Zukunft unseres eigenen Planeten zu erhaschen. „Es gibt an die 100 erdähnliche Planeten, die älter sind als unserer und die sich ähnlich entwickeln.“ Damit könnten auch Antworten auf die Fragen gefunden werden, die uns heute bewegen: Welche Langzeitfolgen wird der Klimawandel mit sich bringen? Und worauf sollten wir uns vorbereiten?

 

 

 

Sternwarte am Haunsberg

 

Seit August gibt es in Salzburg eine neue Sternwarte. Die VEGA-Sternwarte Haus der Natur am Haunsberg ist einerseits ein Forschungsobservatorium und andererseits eine öffentliche Sternwarte für alle Sternenanbeter. Deshalb finden jeden Montag- und Dienstagabend nach Einbruch der Dunkelheit teleskopische Sternführungen statt, an denen man – klarer Himmel vorausgesetzt – ohne Voranmeldung teilnehmen kann. Sonderführungen werden nach Vereinbarung angeboten.

 

 

www.hausdernatur.at/de/sternwarte.html
Kontakt: 0664 / 6175600

 

 

Anfahrt:

Kaiserbuche 1, 5162 Obertrum am See

Parken beim Gasthaus „Zur Kaiserbuche“

Forstweg etwa 200 Meter bis zur Sternwarte folgen.