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Von ANFÄNGLICH bis ENDLICH

30 Autorinnen und Autoren erzählen

 

ANFÄNGLICH
von Magdalena Lublasser-Fazal

… und jedem Anfang, wohnt ein Zauber inne. Hesses berühmte Worte aus dem Gedicht „Stufen“ kommen mir immer dann in den Sinn, wenn ich die Magie neuer Anfänge noch nicht erkennen kann. Wenn sich irgendetwas in mir sträubt, neue Wege zu beschreiten, und in der Komfortzone verweilen möchte. Jede neue Herausforderung, jeder neue Lebensabschnitt, ist anfänglich begleitet von einem ungeliebten Gefühl: Angst. Zu unsicher ist das, was kommt. Zu wenig weiß ich über die Konsequenzen, die mich erwarten. Fragen tauchen auf: Bin ich dieser Aufgabe gewachsen? Kann ich mir das zutrauen? Was passiert, wenn ich es nicht schaffe? Diese innere Haltung ist ein Zeichen von Vorsicht und Zurückhaltung. Sie haben ihre Berechtigung, aber bringen sie mich weiter, auf meinem Lebensweg?

Unser Verhalten ist von unseren Einstellungen geprägt. Wann immer mich die anfängliche Scheu packt, wenn ich mich dabei ertappe, mich vor Herausforderungen zu fürchten, denke ich an Hesses Worte. Er spricht vom Wandel, von der Vergänglichkeit, vom Ende, ohne den es keinen neuen Anfang gäbe. Große Herausforderungen bergen große Chancen. Je öfter ich mir dies vergegenwärtige, desto leichter gelingt es mir, den Zauber des Anfangs zu erkennen. Die Leichtigkeit, mit der auf einmal alles geht, wenn ich mich nur nicht zu sehr einschüchtern lasse. Ähnlich einem Kind, das unbedarft und voll Neugierde die noch unbekannte Welt erforscht. Ohne Zurückhaltung, ohne Furcht. Mit diesem beschwingenden Gefühl versuche ich, dem Leben zu begegnen. Mit offenem Blick für das Neue und dem Vertrauen in die eigenen Stärken werden Herausforderungen zu Chancen, das Leben aktiv zu leben.

Anfänge gibt es auch in Beziehungen. Menschen kommen und gehen, manche begleiten uns für lange Zeit, andere treten nur für einen Moment in unser Leben. Neue Bekanntschaften haben einen besonderen Reiz. Anfänglich ist alles neu, frisch, aufregend. Doch auch eine Beziehung, die über Jahre besteht, kann Möglichkeiten für Neuanfänge in sich bergen. Wenn es gelingt, sich auch im Alltag neu zu entdecken. Sich gemeinsam neu zu erfinden. Aneinander Neues entdeckt und ins Staunen gerät. Dann ist er wieder da: Der anfängliche Zauber.



ENDLICH
von Helmut P. Gaisbauer

Endlich darf ich für Apropos schreiben. Über das Wörtchen „endlich“. Endlich ist ein feines Wörtchen, denk ich mir. Endlich anfangen können. Endlich fertig sein. Zwei sehr schöne Momente: Neuanfang und Abschluss. Und beide können mit endlich eingeleitet werden, das damit auf den Vorlauf, die spannende Erwartung und auf die fordernde Geduld und Ausdauer hinweist. Ein Transformationswörtchen, das eine ganz konkrete Hoffnung einlöst. Und das eine Brücke bildet zwischen dem Neuen und dem zugehörigen Alten, zwischen dem notwendigen Provisorium und seiner Vollendung. Aber immerhin und nunmehr frei von der Leber weg: endlich geschafft, alle Widerstände überwunden. Endlich freie Bahn, endlich loslegen können. Endlich.
Endlich ist aber auch ein tiefes, mahnendes Wörtchen, sag ich mir. Es steht nahe einem wohlverstandenen carpe diem! „Endlich“ kann der ernste Zuruf sein, der von jenseits der Zeit verlautet und zur Achtung der Vergänglichkeit mahnt. Alles Leben vergeht, alles Lebendige ist endlich. Unerträglich wäre mir dieser zweite Sinn, die Ohren müsste ich mir verstopfen, um es abzuwehren und zum Verklingen zu bringen, dieses „endlich“ – käme nicht eine andere Hoffnung zu Hilfe. Die größte aller Hoffnungen, die Hoffnung, dass alles nicht nur endlich ist, dass das Ende, der Tod, die Vernichtung nicht das letzte Wort haben, nicht das letzte Wort sind. Dass Anfang und Ende aufgehoben sind in einem Größeren. In Ewigkeit.
„Endlich“, so hoffe ich mir, steht für beides: für das Ende und für den Anfang. Und eigentlich steht es zwischen dem Alten und Endenden und dem Neuen, dem Beginnenden. Gerade am Sprung heraus, hinein. Als die Empfindung, die zwischen dem Ende und dem Anfang zum frischfröhlichen „Weiter!“ und „Wieder!“ und „von Neuem!“ sich aufschwingt. Endlich! Endlich!
So wird mir dieses kleine Wörtchen „endlich“ zum Schlüsselchen, mit dem ich Weltengeheimnistruhen öffnen möchte, und viele hunderte stattliche Türen für jede/n von uns. „Damit ein Anfang ist, ist der Mensch!“, weiß so erbaulich der heilige Augustinus. Damit freudig oder erleichternd „Endlich!“ gestoßseufzt wird, ist der Mensch, finde ich im Gedankenspiel mit dem feinen Wörtchen endlich.