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Vermischt

Autor(in) und Verkäufer(in) Rudolf Sonja Jax, gestorben am 18. Dezember 2009

 

Kurz nach Redaktionsschluss der Jännerausgabe erfuhren wir, dass ein weiterer unserer Apropos-Autoren gestorben ist – nach Roland Tischler (74 Jahre) und Patrick Schierach (24 Jahre) müssen wir uns nun von Rudolf Sonja Jax (49) verabschieden. Zeit seines Lebens war er im falschen Körper eingesperrt – und litt stark darunter, dass er aufgrund seiner diagnostizierten Schizophrenie nicht zur Frau umgewandelt werden konnte. Seine Herzerkrankung sah Sonja-Rudolf (er bevorzugte den weiblichen Vornamen) hingegen positiv: „Es ist so, dass die Transsexualität und die Schizophrenie allein schon meine Lebensqualität stören, da ist es vielleicht ganz günstig, dass meine Lebenserwartung durch meine Herzkrankheit verkürzt ist“, schrieb er in einem Artikel.

 

Sonja-Rudolf war ungemein gebildet und reflektiert. Nach einem Blick auf den Bildschirmschoner im Vertriebsbüro meinte er einmal: „Das sind Fouriertransformationen, die das Bild vom Bildschirmschoner aufbauen. Im Grunde sind es Frequenzmuster.“ Der Absolvent der HTL für Elektrotechnik konnte jedoch aufgrund seiner Erkrankungen nie arbeiten. „Ich bin ein Beispiel dafür, wie man auch bei grundsätzlicher Arbeitswilligkeit keine oder nur eine sehr schlecht bezahlte Stelle finden könnte bei mangelnder Arbeitsfähigkeit.“

 

Jeden Monat, seit über zehn Jahren, rief Sonja-Rudolf am Monatsanfang in der Redaktion an und fragte, ob die Zeitungen schon da seien. Er verkaufte nicht viel, es ging ihm eher um die Kontaktaufnahme, um das Gefühl, zugehörig zu sein. Bis vor kurzem bot er auch Englisch- und Esperanto-Übersetzungen an – ein Angebot, das allerdings nicht genutzt wurde. „Das Übersetzungsbüro würde mehr Geld bringen, wenn ich Kunden hätte“, schrieb er im Mai-Apropos 2008 lakonisch.
Medikamente halfen ihm, seine Lebensqualität zu steigern. Nichtsdestotrotz galten seine Gedanken einem anderen Leben: „Mein größter Wunsch ist der natürliche Tod und eine Wiedergeburt als Frau“, schrieb Sonja-Rudolf in der Oktoberausgabe 2009. „Umbringen möchte ich mich aus religiösen Gründen nicht, daher bin ich, was die Lebenszeitbegrenzung betrifft, auf die Natur angewiesen.“ Diese hat ihm nun seinen Wunsch erfüllt.

 

Wir vermissen Sonja-Rudolf und bedanken uns bei seiner Familie für den Aufruf auf der Parte, zugunsten von Apropos auf Kranz- und Blumenspenden zu verzichten.

 

 

 

Text: Michaela Gründler

Foto: Wolfgang J. Nalepka

Februar-Ausgabe 2010