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Schreibwerkstatt

 

Die Rubrik "Schreibwerkstatt" (in der Zeitung "Anders erlebt") spiegelt die Erfahrungen, Gedanken und Anliegen unserer VerkäuferInnen und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen wider. Sie bietet Platz für Menschen und Themen, die sonst nur am Rande wahrgenommen werden.

 

 

Die versteckten Heldinnen – 1. Teil

Schreibwerkstatt-Autorin Hanna S.

Also irgendetwas läuft falsch in unserem Denken, unserer Einstellung, unserer Welt, unserem Land, unserem Europa, unserem Österreich. Oder nehmen wir nur mal Salzburg her, wo wir Dinge, die gut sind, abwerten und solche, die unnötig sind, sehr gut finden.
Statistiken zufolge sind Alleinerziehende (oder SOLO-Pädagogen) die Bevölkerungsgruppe, die am stärksten vom Armutsrisiko betroffen ist, obwohl sie wertvolle Arbeit in unserer Gesellschaft leisten und ihnen mehr Unterstützung und Respekt gebührt.
Aber: Sie haben gelernt zu verzichten.
Auf einen Freund, weil keine Zeit und keine Energie mehr übrig ist für eine Beziehung.
Auf eine schöne Wohnung, auf Urlaub, auf Kino- oder Restaurantbesuche, weil das Geld dafür nicht reicht.
Geldmangel, Zeitmangel, Energiemangel, Männermangel.
Und immerzu ein schlechtes Gewissen. Eigentlich ist es eine Überforderung, in dieser Gesellschaft Kinder ohne Partner aufzuziehen. Doch die Frauen schaffen es, irgendwie. Zu einem hohen Preis: Alleinerziehende sind doppelt so häufig von psychischen Erkrankungen betroffen wie verheiratete Frauen.
Und die Kinder? Wenn sich eine Mutter im Alltag dauerhaft am Ende ihrer Kräfte fühlt, fällt es ihr oft schwer, die Kleinen zu trösten, zu beruhigen, ihnen Wärme und Verständnis zu geben. Und dazu kommt der ewig gültige Satz: „Das können wir uns nicht leisten.“
Und was ist mit den Vätern?
Natürlich gibt es Männer, die sich um ihre Kinder kümmern. Und es gibt gute PR für einige wenige, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, doch von der Ex-Frau gehindert werden. Fakt ist: Die Hälfte der Kinder verliert ein Jahr nach der Trennung endgültig den Vater. Der Kontakt bricht ab. Auch finanziell gibt’s wenig Unterstützung: Der Großteil der Väter kann oder will nicht zahlen.
Klar kann man übers Jugendamt bei Gericht einen Unterhaltsvorschuss anfordern, aber das dauert und es wird nur ein minimaler Unterhalt genehmigt.
Alleinerziehende Mütter ohne Arbeit: Trotz allgemeiner Arbeitswilligkeit sind alleinerziehende Mütter zu mehr als einem Drittel auf staatliche Unterstützung, z.B. auf Arbeitslosengeld angewiesen. Unflexible Arbeitszeiten und mangelnde Betreuungsmöglichkeiten machen es für viele nicht möglich, einer Arbeit nachzugehen oder etwa Studium und Arbeit zu kombinieren. Ebenso sind fehlende Qualifikationen, wie Schulabschluss oder Ausbildung, häufig der Grund für Arbeitslosigkeit. Was bräuchte es? Längerfristige Integration in den Arbeitsmarkt bei gleichzeitiger Kinderbetreuung.
Okay, wo es fehlt, was es bräuchte, wo die Probleme sind … darüber könnte man viele Bücher schreiben. Und der Großteil ist uns bekannt. Aber welche Lösungen gibt es? Und nun kommen wir zu einem Mann, der großes geleistet hat: Hermann Gmeiner, der Gründer von SOS-Kinderdorf. Der hat einmal einen Satz gesagt: Um Kinder zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Und das wäre die Lösung: Nicht nur für Salzburg, sondern für ganz Österreich, die ganze EU, die ganze Welt. So haben sich ja auch die SOS-Kinderdörfer verbreitet.
Vor Kurzem sah ich im Fernsehen einen Beitrag über das „Aussterben von Dörfern“ in Österreich. Ich höre ständig von hohen Arbeitslosenzahlen und schlechter Wirtschaft, vom dramatischen Anstieg psychischer Erkrankungen in unserem Land. Ich bekomme mit, wie viel Geld ausgegeben wird für Banken, die EU-Mitgliedschaft, andere Länder. Man braucht sich ja nur die Sendung „Bist du deppert“ ansehen, wo über unnütze Steuerverschwendung berichtet wird.
Und bei unseren Kindern, Familien und alten Leuten müssen wir sparen?

„Ihr da ganz oben schaut doch mal ganz runter! Wir sind oder waren es, die euren Wohlstand gesponsert haben und die Familien tun es heute noch. Und die Kinder sollten es künftig tun. Oder? Es ist ja ganz einfach: Ohne die Kleinen gibt’s keine Großen! Aber ihr überlasst sie in Betonklötzen eingepfercht sich selbst. Ohne Aussicht, dass es jemals besser wird. Respektlos ist das! Umdenken ist dringend notwendig!“

Fortsetzung folgt